05. Mai 2014

Weiter denken, mehr wissen, besser anwenden

Vorschau auf das Pluradent-Symposium 2014 am 16. und 17. Mai 2014 in Seeheim-Jugenheim mit dem praxisnahen Blick in die „Dentale Zukunft 3.0“

Einen spannenden, informativen, nach vorn gerichteten und zugleich praxisnahen Blick in die „Dentale Zukunft 3.0“ bietet das Pluradent-Symposium am 16. und 17. Mai in Seeheim-Jugenheim in der Nähe von Frankfurt am Main. Namhafte Experten werden „Impulse aus Wissenschaft und Praxis“ geben und Zahnärzte und Zahntechniker damit auf eine Reise in die dentale Zukunft entführen. Wie viel davon schon Realität ist oder bald werden kann, können die Teilnehmer auf der begleitenden Zukunftsausstellung mit dentalen Innovationen live erleben.

Bei allem Fokus auf die Zukunft soll auch der ganz analoge kollegiale Austausch nicht zu kurz kommen, für den der Veranstalter nicht nur mit einem Gala-Abend viel Raum bietet. Weitere Informationen und Anmelde-Möglichkeiten gibt es im Internet unter www. pluradent-symposium2014.de.

Die folgende kleine Vorschau auf die Vorträge macht sicher Appetit auf mehr. Matthias Horx, bekannter Trend- und Zukunftsforscher, wird erklären, was das eigentlich ist: Zukunftsforschung. Die Zukunftsforschung bedient sich wissenschaftlicher Methoden jenseits von Glaskugeln und Geheimwissen. Mittels strategischer Prozesse versucht sie in dynamischen und manchmal auch chaotischen Systemen, möglichst medial unbeeinflusst und frei von Marketingfunktionalisierung und Populismen, Trendentwicklungen zu erkennen. Bei aller Unschärfe in der Vorhersage, die es auch in dieser Disziplin gibt, setzt sich die Trendforschung mit den Wirkweisen evolutionärer Wandlungsprozesse auseinander. Manager, Politiker und Unternehmer nutzen Kriterien systemischer Zukunftsforschung, mit denen sie ihre Wahrnehmung, Matrix von Prozessen und Systemwissenschulen, um sie besser anwenden zu können.

Mit Prof. Dr. Dr. Nils-Claudius Gellrich richtet sich der Blick auf das Umsetzen der Dentalen Zukunft 3.0 im Alltag: Für eine erfolgreiche Patientenbehandlung bedarf es moderner digitaler Plattformen, um Schnittstellen zeiteffizient zu bedienen und digitale Workflows zu realisieren. Heute besteht vielfach die Möglichkeit, im Rahmen von Insellösungen Teilbereiche von digitalen Workflows umzusetzen, jedoch verlangt ein effizientes Management für Praxis und Klinik nach integrierten und integrierenden Lösungen: von der multimodalen Bildanalyse bis hin zum Ausdruck autoklavierbarer Schablonen oder Splints, virtuellen Artikulatoren, Implantatplanungen, Zusammenführen verschiedener Visualisierungsmethoden inklusive moderner Oberflächenscans oder aber bis zum Herstellen von Zahnersatz.

Seit Entdeckung der Röntgenstrahlung im Jahr 1895 sind fast 120 Jahre vergangen, in denen sich die Röntgendiagnostik vom zweidimensionalen Bild hin zur dreidimensionalen Röntgendarstellung oder, noch aktueller, zum phasendetektierten Röntgen entwickelt hat. Die Röntgendiagnostik ist heute ein integrativer Bestandteil eines breiten Spektrums multimodaler medizinischer Bilddaten, die immer mehr miteinander vernetzt werden. In seinem Vortrag „Mehr sehen durch Röntgenstrahlung“ fasst Prof. Dr. Ralf Schulze den Weg der Röntgendiagnostik vom Anbeginn bis hin zu jüngsten Entwicklungen zusammen und zeigt Vor-, aber auch Nachteile der verschiedenen Techniken auf. Ein technischer Ausblick auf die nähere Zukunft beleuchtet das Zukunftspotenzial einer immer noch sehr modernen medizinischen Bildgebungstechnik.

Dr. K. H. Bormann lenkt in seinem Vortrag „Dentale Volumentomographie – mehr als 3-dimensionale Diagnostik“ den Blick auf eine noch relativ junge Erweiterung der strahlenbasierten Diagnostik, die irrtümlich oft auf die solitäre 3D-Diagnostik reduziert wird. Dreidimensionale Patientendaten sind über die Diagnostik hinaus die Basis von Therapieplanungen und dienen vernetzten Prozessen in unterschiedlichen Disziplinen innerhalb der Zahnheilkunde sowie in der Zahntechnik als Grundlage für die virtuelle Zahnersatzerstellung, Bohrschablonenherstellung etc. Damit bildet die Dentale Volumentomographie auch die Grundlage für bessere Qualität und reproduzierbare Qualitätskontrolle.

Über navigierte Implantatprothetik in der Zahntechnik wird viel geredet, über die Konsequenzen aber weniger. Über die Frage, wie sie die Arbeit und die Berufsbilder verändern wird, hat sich ZTM Andreas Hoffmann Gedanken gemacht. Die Berufsbilder der Zahnmediziner und der Zahntechniker werden sich mit der zunehmenden Anwendung von CAD/CAM-Verfahren komplett ändern. Die Arbeit mit der neuen Technik verlangt in hohem Maße ein Dazu lernen und einen Wandel eingeschliffener Arbeitsweisen, so sein Fazit. Weiterentwicklungen in der Zahnmedizin sowie neue Produktionsverfahren in der Zahntechnik sind nicht voneinander zu lösen und bedingen die gegenseitige Kenntnis der Vorgehens- und Arbeitsweise. Dreidimensionale Darstellungsmöglichkeiten geben sowohl dem Mediziner als auch dem Techniker die Möglichkeit, diagnostisch präziser zu werden, und schaffen mithilfe neuer digitaler Techniken neue Prozess-Steuerungen.

Computergesteuerte Implantologie mithilfe von 3D-Programmen wird immer häufiger angewandt. Kliniken, Praxen, Labore und Industrie arbeiten immer schneller zusammen und schaffen zunehmend eine gleichbleibende, gute Qualität. Anhand von Falldokumentationen werden komplexe Behandlungsabläufe dargestellt sowie der Einsatz und die Anwendung digitaler Zahnmedizin bzw. das Zusammenspiel der prozessbeteiligten Partner. Verschiedene Behandlungskonzepte mit navigierter und digitaler Zahntechnik werden dabei im Vordergrund stehen. Wie das mit den digitalen Schnittstellen aussieht, welche Herausforderungen, Funktionen, Möglichkeiten sich da ergeben, beleuchtet ZTM Ralph Riquier. Durch die Möglichkeit der Vernetzung und die Integration von unterschiedlichen Softwareapplikationen zu einem durchgängigen digitalen Workflow entstehen neue Abläufe.

Wie können diese Abläufe zukünftig aussehen? Welche Möglichkeiten bestehen im zukünftigen Zusammenspiel zwischen Labor, Zahnarzt und Industrie – oder entstehen gar gänzlich neue Mitspieler? Welche Gefahren und Chancen bietet die schöne neue digitale Welt? Softwarekombinationen und die Macht der Schnittstellen sind das Thema dieses Vortrags. Was das alles für die prothetische Rehabiliation in der Praxis bedeutet, erläutert Dr. J.-F. Güth. Die Verknüpfung digitaler Technologien führt zu Vereinfachungen in Diagnostik, Planung und Therapie. Zudem ergeben sich aus der Kombination mit neuen Restaurationsmaterialien innovative Vorgehensweisen und Behandlungsstrategien, die in Relation zu bisherigen Verfahren gesetzt werden müssen. Der Vortrag beleuchtet, welche Behandlungskonzepte heute mithilfe von CAD/CAM-Verfahren sinnvoll umzusetzen sind, und bewertet diese bezüglich ihrer Vorteile, Chancen, aber auch Risiken und Limitationen. Dies soll anhand aktueller, wissenschaftlich gestützter, klinischer Falldarstellungen erfolgen.

Technik braucht Material, und um dessen wirtschaftlichen Einsatz in der digitalen Zahntechnik geht es im zweiten Vortrag von ZTM Andreas Hoffmann. Ein entscheidender Faktor für die Wirtschaftlichkeit der Produktionsprozesse kann die Herstellungszeit sein. Jede Minute, die hier eingespart werden kann, rechnet sich für den Zahntechniker und sorgt dafür, dass Patienten noch schneller versorgt werden können. Zahlen und Fakten zeigen den zurzeit darstellbaren Weg auf, der finanziell begründet ist. Ein weiterer entscheidender Faktor für die Wirtschaftlichkeit liegt in der fortschreitenden Digitalisierung – aus dem Mund direkt in die digitale Prozesskette. Perfekt aufeinander abgestimmte Materialschienen versetzen den Techniker heute in die Lage, aus dem Datensatz nicht nur die Gerüstherstellung zu betreiben, sondern auch die über dem Gerüst notwendige mehrfarbige Verblendstruktur komplett digital mit zu kreieren. Form- und Fachwissen aus dem Kopf des Technikers, gepaart mit einer maschinengestützten Herstellungstechnik, ergeben eine optimierte Zahntechnik, die von der fachkundigen Hand und dem Sachverstand eines Dentaltechnikers gesteuert werden.

Die virtuelle Behandlungsplanung ist längst auch in der Kieferorthopädie angekommen, wie Prof. Dr. Dietmar Segner aufzeigen wird. Neue Produktionsprozesse haben vor einem Jahrzehnt die Herstellung eines voll individualisierten lingualen Bracketsystems ermöglicht, mit denen heute die Behandlung von Zahn- und Kieferfehlstellungen mit Brackets auf der Innenseite der Zähne uneingeschränkt möglich ist. Nun wurden auch weitere Schritte des Workflows digitalisiert, sodass in der nahen Zukunft von der Abdrucknahme über das zahntechnische Labor-Setup, über das Review durch den behandelnden Kieferorthopäden dann auch alle weiteren Schritte digital erfolgen können. Der Vortrag beschreibt nicht nur die verwendeten Verfahren, sondern evaluiert auch die Vor- und Nachteile für den Patienten und Behandler.

Die anatomische Artikulation gehört dazu – auch in der digitalen Zahntechnik. ZTM Ralph Riquier wird die Entwicklungsschritte der virtuellen Artikulatoren bis zum heutigen Stand, ihre Einsatzgebiete und zukünftige Weiterentwicklungen sowie die benötigten Randbedingungen in den Fokus seiner Betrachtungen stellen. Virtuelle Artikulatoren als Bewegungssimulatoren des menschlichen Kiefergelenks und Unterkiefers sind Softwareprogramme, die demselben Zweck dienen. Sie transferieren die vom Zahnarzt mechanisch erfassten Kiefergelenkswerte oder elektronisch aufgezeichneten Bewegungszyklen in ein Computerprogramm und simulieren die Bewegungsabläufe an digitalisierten und patientenspezifisch, lagerichtig zugeordneten Kiefermodellen. Die Koppelung dieser virtuellen Artikulator-Programme mit zahntechnischen Designprogrammen ermöglicht zusätzliche Funktionen, die neben der Simulation auch aktiv in das CAD-Design einer Restauration eingreifen können. Schon 2001 wurde der erste virtuelle Artikulator in eine CAD Software integriert, allerdings ohne eine breite Anwendung zu finden. Ist diese Entwicklung somit obsolet oder werden zukünftige Anwendungen von solchen Artikulator-Programmen profitieren?

Ebenfalls auf dem Weg in die digitale Zukunft ist die instrumentelle Funktionsdiagnostik. „Mehr sehen ohne Strahlung“ ist der Ansatz des Vortrags von Dr. Andreas Bruderhofer. Technische Innovation und der Versuch, die Natur zum besseren Verständnis zu digitalisieren, machen auch vor dieser Disziplin der Zahnheilkunde nicht halt. Doch welche Möglichkeiten bieten sich für die funktionelle Therapie eines gesamten Kausystems? Welche Wünsche bestehen seitens der Behandler? Was kann heute schon genutzt werden, und was ist noch Zukunftsmusik? „Es ist mein Bestreben, eine Idee der synoptischen Therapie des Kausystems mit Ihnen zu teilen und die technischen Möglichkeiten zu diskutieren, die uns als Behandler zur Verfügung stehen“, so Bruderhofer.

Die digitale Welt bleibt aber nicht auf die medizinische Seite beschränkt, auch in der Kommunikation verändert sich vieles. „Mediale Interaktion des dentalen Unternehmens – ZHK meets social media“ ist daher auch das Thema von Rechtsanwältin Katri Helena Lyck, (Lyck & Pätzold Medizinanwälte Bad Homburg). Heute schon getwittert oder auf Facebook einen Beitrag „geliked“? Willkommen in der Welt des Web 2.0, das längst Einzug in den Berufsalltag der Zahnarztpraxen und Labore gehalten hat. Aber wie gestaltet sich ein adäquater Umgang mit den modernen Social Media-Kanälen? „Ihr Unternehmen ist bereits gut in den sozialen Netzwerken vernetzt, aber nutzen Sie auch alle Plattformen wie Twitter und Co.? Wie kann das bisher genutzte Potenzial der sozialen Netzwerke weiter ausgedehnt werden? Können über soziale Netzwerke neue Synergien geschlossen werden?“ Auf diese Fragen will die Referentin innovative Antworten geben, die die Teilnehmer motivieren sollen, das eigene Engagement in den sozialen Netzwerken rechtlich sicher zu verstärken und weiter auszubauen.

© DZW, Ausgabe 18/2014